Bulmke, Burgers und der Schalker Verein

 

“Die Inbetriebnahme der Köln-Mindener Bahn im Jahr 1847 war der Startschuss für das Industriezeitalter in Gelsenkirchen und Bulmke. Die Bahntrasse durchschnitt die Gemarkung im Süden. Friedrich Grillo (1825-88) war für Gelsenkirchen die herausragendste „Gründergestalt“ und stand im mittleren Ruhrgebiet hinter vielen Werks- und Zechengründungen. Eisen wurde in großen Mengen an fast allen Stellen der neuen Entwicklungen gebraucht: z.B. beim Bau von Eisenbahnen und Maschinen, für Brücken und Schiffe und auch in der Rüstung. Grillos erstes Engagement in Gelsenkirchen galt der Zeche Consolidation in Bismarck. Ihm ging es darum, die Stahlherstellung und die Kohleförderung eng mit einander zu verknüpfen und auch die Nebenprodukte wie Gas oder Benzole in eigener Kontrolle weiterzuverwerten. In Schalke beiderseits der Emschertalbahn entstand so eine Verbundwirtschaft.

 

1872 wurde unter der Führung von Grillo der "Schalker Gruben- und Hüttenverein" gegründet. 1871 wurde auf Grillos Initiative südlich der Köln-Mindener-Bahn die Zeche Alma abgeteuft; sie lag auf damaligem Bulmker Gemeindegebiet. Nördlich der Bahnlinie konnten große zusammenhängende Grundstücke erworben werden; so entstand in Bulmke und Hüllen für die Eisengewinnung und Weiterverarbeitung die größte Werksanlage des Schalker Vereins. Ebenfalls durch Grillo erfolgte 1872 die Gründung der Kesselfabrik, die sich neben der Herstellung von Kesseln für Dampfmaschinen auch dem Bau von Brücken und Fördertürmen zuwandte. Eine angegliederte Erzgrube als Rohstoffbasis im nassauischen Dillkreis, dem Herkunftsland der Oranier, führte zu dem Namen "Werk Orange". Zur organisatorischen Sicherung der Kohle-Basis erfolgte 1873 der Zusammenschluß der Zechen Holland und Alma mit der Zeche Rheinelbe als Gelsenkirchener Bergwerks- Aktiengesellschaft (GBAG). Von 1875 bis 1884 entstanden in Bulmke vier Hochöfen. Ab 1884 schloß sich eine erfolgreiche Röhrengießerei an, sie galt als größte des Kontinents. Solche Gußrohre wurden z.B. für die Haus- und Grundstücksentwässerung benötigt. Nach Grillos Tod 1888 stand August Thyssen (1842-1926) dem Aufsichtsrat vor."

 

 

(Quelle: www.gelsenkirchener-geschichten.de am 5.9.08)

 

August Thyssen sorgte dafür, dass der Ingenieur Franz Burgers am 1. November 1878 dem Grubenvorstand des Schalker Vereins beitrat. Nachpraktischen Erfahrungen in Troisdorf, Mülheim am Rhein, Bochum und einer Studienreise mit Otto Helmholtz, dem Bruder des bekannten Physikers, in die Industrieregionen Englands, kam er nach Bochum zurück, um dort die bekannte Hochofenanlage, die eine Zeitlang die größte Deutschlands war, zu errichten. Unter Franz Burgers wurden trotz volkswirtschaftlich schwieriger Umstände, der zweite, dritte und vierte Hochofen in Gelsenkirchen errichtet. Die Hochöfen 3 und 4 waren konstruiert wie die Bochumer Öfen, nämlich ohne einen geschlossenen Blechmantel. Die hierfür erforderliche Konstruktion war die Vorstufe zu dem heute allgemein in Anwendung befindlichen Hochofengerüst. Nach der damals in Hochofenkreise aufgekommenen Grundregel "Wasser ist das beste feuerfeste Material", versah Burgers das Hochofenmauerwerk mit gußeisernen Kühlkästen. Aus den Erfahrungen, die Burgers mit den gußeisernen Kühlkästen gesammelt hatte, entstand später der Burgers-Ofen.

 

Die Leistung der deutschen Hochöfen nahm im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts aufgrund solcher technischer Fortschritte von Jahr zu Jahr erheblich zu. Daneben erwirkte Direktor Burgers auch die Errichtung eines betriebseigenen Hüttenwerkes und verbesserte die Absperreinrichtung für die Winderhitzer. Im Jahr 1889 wurde die Gewerkschaft Schalker Verein wieder in eine Aktiengesellschaft überführt. Der Aufsichtsrat wählte Carl Müller und Franz Burgers zum Vorstand. 1899 erfolgte die Angliederung der Bergbau-Actiengesellschaft Pluto zu Essen, deren Zechen auf dem benachbarten Wanner Gebiet günstig lagen. Auch eine Angliederung der Actiengesellschaft Vulkan in Duisburg erfolgte. 1898 wurde Franz Burgers zum Generaldirektor für die technische Oberleitung des gesamten Betriebes gewählt. Im August 1908 wurde in das Handelregister eingetragen, dass Franz Burgers der Titel eines "königlich preußischen Kommerzienrates" verliehen worden sei. Sein Sohn, der Bergassessor Franz Burgers, der bis dahin Betriebsdirektor auf der Zeche Pluto war, wurde am 25.2.1911 zum stellvertretenden Vorstandsmitglied bestellt. Kurz darauf verstarb Franz Burgers senior unerwartet. Er sorgte dafür, dass alle Arbeiten fertig gestellt wurden und setzte das Werk seines Vaters im Wohnungsbau fort. Er setzte sich für die Verbesserung der Suche nach neuen Rohstoffquellen und der Bodenforschung ein, um bisher unbrauchbare Rohstoffe für den Hochofen nutzbar zu machen. Er führte das Zentrifugalverfahren in der Rohrproduktion ein und macht den Schalker Verein damit 1926 zur ersten und größten Zentrifugalgießerei Deutschlands. 1927 trat Franz Burgers zurück, nachdem der Schalker Verein in die Vereinigte Stahlwerke Aktiengesellschaft übergegangen und es abzusehen war, dass er in dieser großen Gesellschaft keine führende Rolle spielen würde.

 

Mit der Errichtung des Bulmker Park im Jahr 1902, ein Jahr bevor Bulmke der Großstadt Gelsenkirchen beitrat, wurde auch der Burgers Park ausgebaut, der schon im Urkataster als Bauernwäldchen vorhanden war. Die Verdienste des älteren und jüngeren Franz Burgers für den Schalker Verein, der lange Zeit ein führender Eisenverarbeitungsstandorte in Europa war, und die Verdienste für die Entwicklung Bulmkes und Gelsenkirchen wurden in der Benennung des Burgers Park und später auch der Wohnanlage Burgers Park geehrt (siehe Bilder).

 

 

Quelle. Heimatbund Gelsenkirchen:
"Gelsenkirchen in alter und neuer Zeit - Ein Heimatbuch",
Jahrgang 1951

 

 

 

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Friedrich Grillo Quelle: Heimatbund Gelsenkirchen 1951: “Gelsenkirchen in alter und neuer Zeit - Ein Heimatbuch”
August Thyssen Quelle: Heimatbund Gelsenkirchen 1951: “Gelsenkirchen in alter und neuer Zeit - Ein Heimatbuch”
Franz Burger Quelle: Heimatbund Gelsenkirchen 1951: “Gelsenkirchen in alter und neuer Zeit - Ein Heimatbuch”
Franz Burger sen Quelle: Heimatbund Gelsenkirchen 1951: “Gelsenkirchen in alter und neuer Zeit - Ein Heimatbuch”
Karte von Bulmke
Schalker Verein Titelbild des Buches: Der Schalker Verein -Arbeit und Leben in Bulmke-Hüllen www.gelsenkirchener-geschichten.de am 6.09.08
Entwurf des Gartenoberbaurates Gey zum Burgers Park, 1959 Quelle: Stadtsparkasse Gelsenkirchen: (Hrsg.): “Botanischer Führer durch städtische Grünanlagen in Gelsenkirchen”
Wohnanlage Burgers Park, Foto von Rudolf Finkes In: Bauwelt , Ausgabe Mai 1974




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